Alle Wege führen nach Rom

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte der Chor pro musica gemeinsam mit Pfarrer Pappelau und Pastoralreferentin, Petra Renz, das Glück, trotz Corona, die ewige Stadt Rom zu besuchen. Als sich früh morgens alle an der Christkönigkirche in Göppingen trafen und auf den Bus warteten, der sie zum Frankfurter Flughafen bringen würde, freuten sie sich schon darauf, bald dem schlechten Wetter zu entfliehen. Dass dies nicht immer der Fall sein sollte, sollten sie schon bald feststellen. Aber der Reihe nach. 

 

Nach einem reibungslosen Ablauf am Flughafen und einem Flug ohne besondere Vorkommnisse, landeten alle wohlbehalten in Rom. Drei Shuttles sollten uns dann sicher zu unserem Hotel „Casa La Salle“ bringen und das Abenteuer begann – zumindest für einen Teil unserer Reisegruppe. Mitten auf der Autobahn wurde unser Fahrzeug plötzlich langsamer, nachdem wir zuvor ziemlich schnell gefahren waren, und kam schließlich auf dem Standstreifen zum kompletten Stillstand. Keiner von uns wusste, was los war. Wir scherzten noch, dass sicherlich der Sprit alle war – und das in Reichweite der nächsten Tankstelle. Es stellte sich heraus, dass diese lustig gemeinte Vermutung der Wahrheit entsprach. Während also der Rest schon im Hotel angekommen war, mussten wir darauf warten, dass einer der beiden anderen Fahrer zu uns zurückfuhr und uns einsammelte. Was für ein Start in die Woche!  

Ohne weitere Probleme kamen also auch wir endlich im Hotel an und hatten nicht mehr viel Zeit, bis wir uns alle wieder auf den Weg machten. Für diejenigen, die noch nie in Rom gewesen waren, sollte das nächste Abenteuer beginnen: Bus fahren in Rom! Aber auch das hatten wir gut überstanden. Ein leckeres Abendessen, sowie ein bis zwei Eiskugeln später hieß es schon wieder auf den Bus zu warten, ins Hotel zurückzukehren und ziemlich erledigt ins Bett zu fallen.

Tag 1: Typisches Romwetter 

Der erste richtige Tag in Rom begann mit einer Überraschung: es regnete! Und zwar immer wieder über den Tag verteilt. Davon ließen wir uns aber nicht entmutigen und sahen voller Vorfreude unseren Vorhaben entgegen. Erstes Ziel war die Lateran-Basilika „Basilika di San Giovanni in Laterano“. Beindruckt von der ursprünglichen Papstkirche führte uns unser Weg als nächstes über eine der sieben Pilgerkirchen „Santa Croce“ bis zu den „Callistus-Katakomben“. Das Labyrinth aus Gängen von ca. 20km Länge, welches unsere christlichen Vorfahren beherbergt und eines der größten unterirdischen Grabsysteme Roms ist, hinterließ bei jedem von uns einen bleibenden Eindruck.  

Wieder zurück an der Oberfläche, feierten wir eine kleine Andacht in der kleinen Kapelle oberhalb der Krypta. Praktisch, wenn man seinen eigenen Pfarrer dabei hat! 

Zu Fuß führten wir unseren Weg zur „Quo vadis“-Kirche, an dessen Ort sich die nach den apokryphen Petrusakten überlieferte Begegnung zwischen Jesus und Petrus abgespielt haben soll, fort. Im Anschluss daran erwartete uns schon das nächste Abenteuer: Die berühmte Bushaltestelle, an welcher immer ein Bus kommt, doch nur mit Glück der, auf den man gerade wartet. Als uns das Warten zu lang wurde, versprach Pfarrer Pappelau Paulus, dass wir ihm am kommenden Tag ein Lied in seiner Kirche singen würden, wenn als nächstes ein Bus kommen sollte, der zumindest in die richtige Richtung fährt. Und – oh Wunder – Paulus hatte ihn wohl erhört! 

Doch unsere ersten Lieder in einer römischen Kirche sangen wir dann kurz darauf in der „Santa Cecilia in Trastevere“. Wem, wenn nicht der Schutzpatronin der Kirchenmusik, hätten wir sonst Lieder singen sollen? Nach einem gemeinsamen Abendessen in Trastevere, gelang es uns relativ schnell einen Bus zu erwischen, der uns zurück zum Hotel brachte.

Tag 2: Heiden, Christen und tote Steine 

Der nächste Tag war mit strahlend blauem Himmel dem antiken Rom gewidmet. Start war das Kolosseum. Hier fanden in damaligen Zeiten große Schlachten statt (wie zum Beispiel der epische Kampf zwischen Römern und Galliern, welcher mit der Eroberung Roms durch die Gallier endete). Ein „Gutes“ hatte Corona in dem Fall und auch im weiteren Verlauf der Reise: Rom war so leer, wie noch nie. Der Vorteil daran, ganz klar, waren kurze Wartezeiten auf Einlass, viel Platz und eine gute Sicht auf alles! 

Nach dem Kolosseum folgte das „Forum Romanum“. Hier lernten wir von Pfarrer Pappelau einiges über heidnische Tempel, die Arbeit der Vestalinnen und den Grund, warum man St. Maria und Christkönig eine Basilika nennen müsste, was auf den ursprünglichen Bautyp der Basiliken im Forum zurückzuführen ist. 

Anschließend besuchten wir „Sankt Paul vor den Mauern“, wo wir natürlich unser versprochenes Lied zum Besten gaben. Beeindrucken ließen wir uns vor allem von den 265 Medaillons mit den Portraits der Päpste, die sich entlang des Hauptschiffes aneinanderreihen. Einer Legende zufolge kommt Christus dann wieder, wenn kein Platz für ein weiteres Medaillon mehr vorhanden sei. Aktuell stehen noch 26 freie Plätze zur Verfügung… 

Am Abend gab es dann eine kleine Überraschung unseres Pfarrers: Ein Stück Sardinien in Rom! In seinem Lieblingslokal „Hostaria Quattro Mori“, in welchem wohl auch Päpste gerne essen, ließen wir den Abend ausklingen. Liebhaber von Fisch und Meeresfrüchten kamen dabei voll auf ihre Kosten – den Abschluss mit Grappa, Limoncello und „Hustensaft“ konnten alle genießen. Bevor es dann zurück zum Hotel ging, konnten wir noch den Petersplatz bei Nacht bewundern.

Tag 3: Von Bischöfen, Heiligen, Königen und Künstlern 

Der Petersplatz war an diesem Tag zwar keines unserer Ziele, doch hatten wir an trotzdem einige Kirchen betreten. Beginnend mit „Sankt Laurentius vor den Mauern“, machten wir Station in „Santa Maria Maggiore“, die älteste und bedeutendste Marienkirche in Rom, welcher zu ihrer Zeit als Zentrum des christlichen Roms große Bedeutung beigemessen wurde. Auch warfen wir einen Blick in die von vielen Künstlern bereicherte Kirche „Santa Maria sopra Minerva“.  

Imposant war auch das Pantheon, der überwölbte, antike Rundbau, geweiht allen alten römischen Göttern, den jeder einmal von innen zu Gesicht bekommen haben sollte. Nach einem kleinen Zwischenstopp für unseren Pfarrer, der sich mit neuen Hemden eingedeckt hatte und sicherlich noch mehr an Gewändern und ähnlichem erworben hätte, wäre er allein in Rom gewesen, ging es weiter in die Kirche „Il Gesu“. Hier konnten wir den wohl wertvollsten – bzw. kostspieligsten – katholischen Altar der Welt bewundern. Mit einem prunkvollen, barocken Schauspiel, untermalt von Musik, glitt ein monumentales Gemälde über dem Grabalter des heiligen Ignatius von Loyola hinab und gab den Blick auf eine große Silberstatue des Ordensgründers der Jesuiten frei. Über den Sinn oder auch Un-Sinn dieser Aufmachung lässt sich sicherlich streiten, jedoch war es auf jeden Fall spektakulär und eine Visite wert! Für Interessierte folgte noch die Kirche „Sankt Ignazio“ an der Piazza Sankt Ignazia, bevor sich alle ohne Probleme einen Ort zum Abendessen suchen konnten.  

Zum Abschluss des Tages gab es noch ein Eis am Pantheon und wir besuchten den Trevi-Brunnen, auf das wir alle einmal nach Rom zurückkehren mögen.

Tag 4: Päpstlicher als der Papst? Alles im Zeichen des Vatikan 

Ziel dieses vierten Tages war alles rund um den Vatikan. Den Anfang machten die vatikanischen Gärten. Wir bewunderten die vielen unterschiedlichen Pflanzen und Anlagen. Kardinälen oder gar einem Papst begegneten wir zwar nicht, jedoch hatten wir einige Begegnungen mit den vatikanischen „Haustieren“: In den Gärten lebende Papageien und Schildkröten. Über die vatikanischen Museen, in denen wir Werke von Rafael bewundern konnten, ging es dann zur Sixtinischen Kapelle, die vergleichsweise wie ausgestorben war und die wir uns in aller Ruhe und sehr lange anschauen konnten. Die berühmten Kunstwerke Michelangelos live zu sehen hatte uns alle beeindruckt.  

Im Anschluss daran konnten wir den Petersplatz bei Tageslicht bewundern und waren innerhalb von 10 Minuten im beinahe leeren Petersdom. Einig die Sicherheits- und Hygienevorkehrungen hatten uns ein wenig aufgehalten. Auch der Eindruck, den der Petersdom bei uns hinterlassen hat, ist kaum in Worte zu fassen und man muss es am besten selbst erlebt haben. Nach einem kleinen Abstecher zur Heiligen Agnes, fanden wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Navona Notte“ an der Piazza Navona, dem Lieblingsrestaurant unserer Pastoralreferentin, wieder und wurden bestens vom Kellner unterhalten – ganz zu schweigen davon, dass das Essen wirklich lecker war. Abschließen konnten wir den Tag wieder mit einem guten, italienischen Eis aus dem „Frigidarium“.

Tag 5: Bis zum nächsten Mal 

Am Tag unserer Abreise nutzten einige von uns noch die Gelegenheit, sich die berühmte, einzigartige „Spanische Treppe“ anzuschauen und die Dreifaltigkeitskirche „Santa Trinita die Monti“ zu besichtigen.  

Mit denselben Shuttles, wie am ersten Tag, ging es dann wieder – diesmal ohne Zwischenfälle – zum Flughafen von Rom und von dort leider auch wieder nach Hause. Erfüllt von vielen Eindrücken fuhren wir dann mit dem Bus überwiegend schweigend von Frankfurt zurück nach Göppingen. Jedoch nicht ohne festzustellen, dass so ein Regenschirm auch gut vor Kälte schützen kann! 

Spätabends kamen wir dann wieder bei der Christkönigkirche in Göppingen an. Erschöpft, aber glücklich und gesund. Dankbar für diese Erfahrungen und die Möglichkeit, eine so großartige Reise erleben zu dürfen, die unter strengen Hygienekonzepten und – auflagen, Mund- und Nasenschutzpflicht mit täglichem Fiebermessen, drinnen wie draußen stattfinden musste, kann ich mich an dieser Stelle nur nochmal im Namen alle Mitreisenden bei Pfarrer Pappelau und Pastoralreferentin, Petra Renz, bedanken! Es war einfach überwältigend und wir hoffen, dies ganz bald unter vereinfachten und angenehmeren Bedingungen nochmal erleben zu dürfen! 

Sarah Blaton